Fortsetzung... Das Geheimnis

Obwohl ich mir gestern Abend noch so sicher war habe ich jetzt schon ein wenig Angst, auch wenn Mario und Yvi an meiner Seite sind. Wie wird unsere Klasse darauf reagieren, das ich nun mit dem, in ihren Augen Klassenstreber zusammen bin? Werden sie mich ernst nehmen?
"Hörst du mir überhaupt zu?", Marios Stimme reißt mich aus meinen Gedanken. "Wie?" "Ich hab dich gerade gefragt, ob es dir gut geht?" "Wie soll es mir schon gehen?", gebe ich patzig zurück. "Man hast du eine Laune. Ich hoffe es hat nichts mit mir zu tun?" "Ich hab keine schlechte Laune. Ich hab nur Angst vor der Reaktion gleich."
Mario bleibt stehen. Yvi und ich gehen weiter, weil ich denke das es nichts mit meiner Aussage zu tun hat. Als ich jedoch merke das er nicht wieder aufholt bleibe ich stehen und drehe mich um. "Was ist jetzt los?" Mario kommt langsam auf mich zu "Wir können das ganze auch so machen, wie ich es dir gestern Abend vorgeschlagen habe, wenn dir das lieber ist", er lächelt mich an und nimmt meine Hände in seine.
"Ach ich weiß doch auch nicht."
Plötzlich meldet sich Yvi zu Wort. "Entschuldigt, das ich euch unterbreche, aber ich bin grad echt sauer auf euch beide. Wisst ihr auch warum? Wahrscheinlich nicht! Sandra wie lange hast du davon geredet mit Mario zusammen zu sein? Ich glaube lange genug oder? Jetzt ist dein Wunsch in Erfüllung gegangen und du willst es dir von ein paar Idioten kaputt machen lassen, die wir nur noch etwas mehr, wie ein Jahr sehen werden? Und jetzt zu dir Mario. Auch von dir weiß ich das du Sandra schon länger toll findest und auch du willst es dir von so ein paar Möchtegern Typen kaputt machen lassen?" Sie schaut uns beide abwechselnd an, "Hat es euch jetzt die Sprache verschlagen?"
Mario antwortet als erstes, er schaut mich an. "Ehrlich gesagt, will ich dich nicht verlieren!" Nun schauen mich beide erwartungsvoll an.
Was soll ich jetzt antworten? Beziehungsweise was will ich? Sicherlich hat Yvi Recht in dem was sie sagt, aber kann ich wirklich auf alles was ich mir in den letzten Jahren aufgebaut habe, verzichten? Ist es mir wichtiger einen Freund zu haben, den die anderen vielleicht nicht akzeptieren oder will ich lieber der Klassenliebling bleiben?
"Erde an Sandra, bist du noch da?" Yvi wirkt leicht gereizt. "Ja bin ich."
Mario lässt meine Hände los. "Da du scheinbar nicht zu mir bzw. zu uns stehen kannst, gehe ich jetzt mal besser.", kaum waren die Worte ausgesprochen, sehe ich nur noch einen Rücken von ihm. "Na, das hast du ja jetzt toll hinbekommen. Eins sag ich dir, ich will nichts mehr von dir über Mario hören. Dir scheint dein Ruf ja wichtiger zu sein! So können wir jetzt gehen?" "Yvi, ich kann jetzt nicht in die Schule gehen!" "Ach auf einmal, du hast dich doch eben entschieden, also stell dich diesen Idioten und erzähle ihnen das was Mario vorgeschlagen hat" "Das ist ja das Problem, ich will weder Mario schlecht hinstellen noch will ich ihnen sagen das ich für ihn mehr empfinde." "Häh, was willst du dann machen?" "Das will ich mir ja überlegen, lass uns heute schwänzen, bitte." Ich schaue Yvi eindringlich an.
"Ich verstehe dich zwar nicht, aber meinetwegen. Wo gehen wir hin? An den See?" "Eine gute Idee."
Somit laufen wir los, auf dem Weg reden wir über die nächsten Ferien, über die letzten Hausaufgaben in Französisch, über Mario sprechen wir nicht.
Als wir am See ankommen, klingelt mein Handy, eine SMS von Mario: "Das nenne ich wirklich feige...Nur zu Info ich habe ihnen meine Version erzählt, falls du es irgendwann für nötig hältst wieder in die Schule zu kommen..."
Ich muss es zweimal lesen, bevor ich den Inhalt begreife. "Er hat sie doch nicht alle.", bei den Worten lasse ich mich auf die Wiese fallen. "Was ist nun schon wieder los?", will Yvi wissen. "Les selber" und ich halte ihr mein Handy hin. Während Yvi liest, mache ich mir Vorwürfe.
Warum? Warum konnte er nicht einfach die Klappe halten? Wobei nach meiner Reaktion von mir kann ich eigentlich nur froh drüber sein! Was red ich da? Wieso froh, ich liebe ihn und eigentlich müsste ich jetzt neben ihm stehen und allen die Wahrheit sagen, statt dessen sitze ich hier und verkrieche mich...
"War doch klar das er so reagiert. Er mag dich so sehr das er dich lieber schützen will. Das nenne ich mal Mut" wieder einmal werde ich aus meinen Gedanken gerissen.
"Und was soll ich deiner Meinung nach jetzt machen?" "Ich an deiner Stelle würde mich erstens schämen und zweitens würde ich mich auf den Weg zu ihm machen und das alles richtig stellen. Oder hast du plötzlich keine Gefühle mehr für Mario?" Ich habe das Gefühl, das sie gerade bis auf meine Seele schauen kann und das ist mir unangenehm, denn ich weiß das ich ihr somit nichts vor machen kann.
"Ach weißt du Süße eigentlich brauchst du gar nicht zu antworten, deine Reaktion eben auf die SMS hat an sich alles gesagt." Ein verschwörerisches Grinsen erscheint bei ihr auf dem Gesicht und ich merke wie ich rot anlaufe.
"Aber dann verstehe ich nicht warum wir hier sind?", ihr Blick ist eindeutig.
Ich antworte ihr, "Weil ich Angst habe?!" Yvi muss nachfragen, da ich mehr geflüstert habe, ich wiederhole meine Aussage, diesmal deutlicher. "Ist das dein Ernst?", Yvi kommt zu mir und setzt sich neben mich. Ich nicke nur.
Ja, ich habe Angst. Angst Mario verloren zu haben, bevor ich ihn eigentlich richtig an meiner Seite hatte. Aber auch Angst gehänselt zu werden. Ich weiß genau wie die Jungs reagieren werden, schließlich hab ich mich selber auch über andere lustig gemacht und ich habe gesehen, wie schlecht sich die Menschen dann gefühlt haben. Doch den Mut mich zu entschuldigen hatte ich nie und warum? Weil ich cool sein wollte. Aber will ich das jetzt auch noch?
Yvi ist mit ihrem Handy beschäftigt, darüber bin ich sehr dankbar. Trotzdem sollte ich eine Entscheidung treffen.
Plötzlich höre ich ein Rascheln hinter mir, Yvi scheint nichts zu hören. Ich drehe mich und glaube im ersten Moment das ich träume, doch dann meldet sich Yvi zu Wort und flüstert, "Verbock es nicht wieder". Sie steht auf und begrüßt Mario.
Ob ich zu ihm gehen soll?
Bevor ich aufstehen kann ist er schon bei mir, setzt sich zu mir. "Was machst du hier?"
Oh Mann Sandra, sei doch nicht so blöd...
"Kannst du dir das nicht denken?" "Ich hoffe wegen mir, wobei ich auch verstehen kann wenn du jetzt nichts mehr mit mir zu tun haben willst." Mein Blick ruht auf ihm. "Wenn ich nichts mit dir zu tun haben wollen würde, wäre ich sicherlich nicht hier, oder?" "Woher weißt du überhaupt...Yvi?" Meine beste Freundin schaut mich mit ihren grünen Augen an, gleichzeitig zuckt sie mit den Schultern.
Wenn ich sie nicht hätte!
"Danke, das du gekommen bist.", wende ich mich wieder an Mario, "Das ist vorhin echt schief gelaufen. Ich will zu uns stehen. Ehrlich! Allerdings ist das alles immer einfacher gesagt, als es in die Tat umzusetzen!" "Das weiß ich doch." Er legt seinen Arm um mich. "Aber ich bin mir sicher zusammen können wir es schaffen." Ich nicke. "Du hast Recht, lass uns zur Schule gehen und es ihnen sagen!" Mit den Worten stehe ich auf, reiche Mario meine Hand und wir machen uns gemeinsam mit der besten Freundin, die man haben kann auf den Weg.
Sandra egal was gleich passiert, die wichtigsten Menschen werden auf deiner Seite stehen!
Das Schulgebäude wird sichtbar, gestärkt durch meine beiden Begleiter betrete ich den Schulhof. Es ist gerade die zweite Pause. Die ersten Schüler sehen mich, wie ich Hand in Hand mit Mario auf der einen und Yvi auf der anderen Seite auf meine Klasse zu laufe.
Ein mulmiges Gefühl entsteht, welches ich ignoriere. Bevor auch nur einer etwas sagen kann, richte ich das Wort an die Gruppe.
"Könnt ihr mir kurz zuhören? Ich habe euch etwas mitzuteilen. Das, was euch Mario heute Morgen erzählt hat stimmt nicht. Er hat mich nicht genötigt, ich bin aus freien Stücken mit ihm zusammen und ich bin glücklicher denn je. Denn ich will mich nicht für meine Gefühle verstecken müssen und das ist mir dank eurer lächerlichen Aktion gestern klar geworden. Wer nun mit mir nichts mehr zu tun haben will, kann gerne die Freundschaft beenden, dann weiß ich wenigstens wem ich vertrauen kann. Aber ich muss Menschen nicht nach ihrem Aussehen oder ihren Interessen beurteilen bzw verurteilen!"
Um meine Aussage zu verdeutlichen, drehe ich mich zu Mario und küsse ihn zum ersten Mal. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, das Geklatsche und die Jubelrufe nehme ich erst danach wahr. Ich bin erleichtert, jetzt kann uns nichts und niemand mehr trennen.

14.11.13 22:30

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


wolfcat / Website (14.11.13 22:52)
die geschichte ist einfach spitze !

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen